M u s i k
Symphonische Musik
Wenn ich mit meiner Mutter über Symphonien gesprochen haben, dann habe ich oft die "Drei Großen
B" erwähnt. Ist ja klar:
Beethoven, Brahms, Bruckner
Die Musik von drei Generationen der großen deutschen Symphoniker steht auch bei mir im Regal. Alle ihre
Symphonien, Violin- und Pianokonzerte und Ouvertüren, was die ersten beiden betrifft. Von Anton Bruckner kenne
ich tatsächlich nur die Symphonien, von der Nullten zur Neunten, von den anderen beiden einiges mehr.
Ich denke, was die bedeutenden Symphonien und Konzerte angeht, ist meine Sammlung ziemlich vollständig. Es ist
wahnsinnig schwer, bestimmte Werke höher einzuordnen. Vieles ist dabei Gefühlssache, mit Erinnerungen
verbunden (z. B. wann habe ich was zum ersten Mal gehört und mit wem?) und vieles ist im Augenblick des
Hörens die beste Musik.
Vielleicht sind die folgenden Werke noch nicht so bekannt.
- Johannes Brahms: Alt-Rhapsodie op. 53. Fragment aus Goethes "Harzreise im Winter".
Christa Ludwig Mezzosopran, Wiener Singverein, Wiener Philharmoniker, Dirigent Karl Böhm. Das langsame Tempo
und die Melodien gehen unter die Haut, rühren an Emotionen, was dadurch bestätigt wird, dass meine Mutter
auch im Endstadium ihrer Alzheimer-Krankheit noch diese Musik aufmerksam gehört hat.
- Johannes Brahms: Rinaldo op 50. Kantate von Johann Wolfgang von Goethe für Tenor-Solo,
Männerchor und Orchester. René Kollo Tenor, Prager Philharmonischer Chor, Tschechische Philharmonie,
Dirigent Giuseppe Sinopoli.
Beide zusammen auf einer CD bei der Deutschen Grammophon 453 974-2 (um die 15 DM)
- Antonin Dvorak: Pianokonzert op 33. Jeno Jando Piano, Polish National Radio Symphony
Orchestra Katpwice, Dirigent Antoni Wit, Naxos 8.550896 (unter 10 DM).
Zweimal hintereinander anhören und es ist um einen geschehen. Dvoraks 9. "Aus der Neuen Welt" habe
ich durch die Rockband "The Nice" kennengelernt. Original ist sie eine Meisterwerk.
- Hector Berlioz: Harold in Italien. Symphonie für Solobratsche und Orchester, Joseph de
Pasquale Bratsche, Philadelphia Orchestra, Dirigent Eugene Ormandy, Sony Essential Classics SBK 53255 (um die 15 DM).
Ich habe lange gebraucht, bis ich auch nur einigermaßen die Melodienbögen und Tempi dieser Symphonie
verinnerlicht hatte. Berlioz war seiner Zeit um Jahrzehnte voraus und in seinem Schaffen ist sicher noch einiges zu
entdecken. Seine Faust-Adaption, auf Video habe ich eine konzertante Aufführung mit Julia Varady als Margarete,
ist nicht zu fassen. Man kann sagen: Ohne Noten nicht zu singen. Die Melodien sind so lang, wie soll sich das
ein Mensch merken. Aber bis jetzt ist "Harold" meine Nummer 1. "Benvenuto Cellini" steht im Regal
und ich habe diese Oper schon ein paar Mal gehört. Die französische Sprache, die bei Gesang für mich
absolut unverständlich wird, steht der großen Liebe im Wege.
- Max Bruch: Schottische Fantasie, op 46. Auf einer Doppel-CD zusammen mit den 3 Violin-Konzerten von Max Bruch
und 2 Serenaden für Violine und Orchester. Salvatore Accardo Violine, Gewandhausorchester Leipzig, Dirigent Kurt
Masur (zwischen 20 und 30 DM).
Max Bruch war zurecht erbost darüber, dass immer nur sein 1. Violinkonzert gespielt wurde. Die beiden anderen
sind fast gleichwertig und die Schottische Fantasy ist grandios.
- Henri Vieuxtemps: Violinkonzert Nr. 5 in a-moll. op 37 "Gretry". Zusammen mit Max
Bruch Violinkonzert Nr. 1 und Éduard Lalo Symphonique espagnole. Pinchas Zukerman Violine, London Sympnhony
Orchestra, Dirigent Charles Mackerras (um die 15 DM).
Der kurze Schlußsatz ist gigantisch. Wie kann man so viel in so kurzer Musik ausdrücken?
Solange ich in den Sonderangebotskisten der großen Läden fündig werde, gebe ich keine 35 bis 40 DM
für eine Klassik-CD aus. Und inzwischen weiß ich eh' nicht mehr, was ich mir noch kaufen soll. Henri Vieuxtemps
andere vier Violinkonzerte würden mich schon interessieren, aber da gibt es nach meiner bisherigen Suche keine
einzige Gesamtaufnahme. Immer das, was man will, bekommt man nicht. So ist das Leben. Oder wie es Stephen Stills mit
einem Song ausdrückt: "If You can't be with the one You love, love the one Your with."
Ergötzen wir uns an dem, was wir bekommen und das ist wahrlich genug.
5. Januar 1997 + 5. März 2001